Offener Brief

Sehr geehrte Damen und Herren,

als Volksvertreterinnen und Volksvertreter sind Sie in der Verantwortung, eine enkeltaugliche Politik für alle Menschen in diesem Land zu machen. Die politischen Entscheidungen, die in den letzten Wochen getroffen wurden, dienen diesem Zweck nicht.

Länder wie Schweden oder Südkorea zeigen, dass es Alternativen zum Shutdown gibt, die ein öffentliches Leben – selbstverständlich mit Einschränkungen – ermöglichen und Unternehmerinnen und Unternehmern die Chance geben, weiterhin Wertschöpfung zu generieren.

Deshalb bitten wir:

  1. Bis Ostern über gangbare Alternativen nach dem "Schweden-Prinzip" zu verhandeln und dazu insbesondere auch die KMUs und EinzelnternehmerInnen mit an den Szenarientisch zu holen, damit der Shutdown nach Ostern konkret eingeläutet werden kann.
  2. Ein nachhaltiges und enkeltaugliches Ausstiegsszenario als oberste Lösungsprämisse zu verfolgen, die alle Gesellschaftsschichten in Deutschland berücksichtigt - auch die Unternehmerinnen und Unternehmer.
  3. Die politischen Voraussetzungen für ein besonnenes Krisenmanagement zu schaffen, damit Wirtschaft und Gesellschaft in Zukunft nie wieder derart auf null heruntergefahren werden.
  4. Den Unternehmen in Deutschland ihre Handlungsfähigkeit zurückzugeben. Wie diese aussehen kann, muss gemeinschaftlich-kooperativ diskutiert werden.
  5. Ein Ausstiegszenario aus den Einschränkungen der Freiheits- und Persönlichkeitsrechte zu präsentieren, um sicherzustellen, dass nach der Krise die freiheitlich demokratischen Grundrechte wiederhergestellt werden.

Sehr geehrte Damen und Herren, Sie haben in den letzten Tagen sehr deutlich gemacht, dass Sie den derzeitigen Zustand bis nach Ostern aufrechterhalten wollen. Wir als KMU und EinzelunternehmerInnen brauchen - genau wie alle anderen auch - eine Aussicht auf das danach.

Wer ein Unternehmen führt, benötigt ein Grundmaß an Planungssicherheit. Wir sind nicht nur verantwortlich für Umsatz und Gewinn, sondern kleine und mittlere Unternehmen, genauso wie Solopreneure und FreiberuflerInnen, sind existenziell davon abhängig, dass sie ihren Beruf ausüben dürfenund ihrem Unternehmenszweck nachkommen können. Das ist in weiten Teilen der Unternehmerschaft nicht der Fall! Das derzeitige Berufsausübungsverbot und der Shutdown drohen, uns und unseren Beschäftigten die Lebensgrundlage zu nehmen.

Für viele sind Unternehmensinsolvenzen in unvorstellbar greifbare Nähe gerückt. Die Hilfsgelder, die Bund und Land zur Verfügung stellen, sind lediglich ein Tropfen auf den heißen Stein. Für den Fall, dass es Ihnen nicht bewusst sein sollte, folgende Hintergrundinformationen:

  • Die 9.000 € Soforthilfe, die zur Verfügung gestellt werden, können bei vielen von uns gerade mal für 1 oder maximal 2 Monate maximal die laufenden Kosten decken. Darunter fallen Miete, Versicherung und Telekommunikation. Damit sind oftmals noch keine (eigenen) Gehälter gedeckt.
  • Die so großzügig bereitgestellten Kredite der KfW sind nur vermeintlich großzügig, weil diese Kredite durch die Hausbank finanziert werden müssen. Bis diese Kredite genehmigt werden - wenn sie das überhaupt werden - vergeht wertvolle Zeit, in denen sich bei allen Unternehmen die laufende Kosten weiter anhäufen. Und Kredite aufzunehmen, um laufende Kosten zu decken, führt zwangsläufig in eine unkalkulierbare Schuldenfalle.
  • Vor allem weibliche Unternehmer und Solopreneure bekommen generell, egal wie gut oder schlecht ihr Geschäft läuft und wie solide die Zahlen sind, geringere Kreditrahmen und grundsätzlich auch sehr viel schwerer einen Finanzierungskredit. Wenn diese Frauen alleinstehend sind und vielleicht sogar noch alleinerziehend, dann sind sie momentan in allerhöchster Not. Gleiches gilt übrigens an dieser Stelle auch für alleinerziehende selbständige Väter.

Auch wir als KMU und EinzelunternehmerInnen sind Teil dieser Gesellschaft. Wir tragen entscheidend dazu bei, dass Menschen Arbeit haben, dass Gewinne erwirtschaftet werden und somit Steuergelder fließen können. Der Mittelstand, zu dem wir gehören, trägt insgesamt 80 Prozent zur Wertschöpfung bei und beschäftigt 60 Prozent der Menschen in Deutschland. Stirbt der Mittelstand, bricht eine elementare Säule unserer Wirtschaftskraft weg.

Helfen Sie mit, dieses Sterben, das bereits begonnen hat, aufzuhalten!

Deshalb bitten wir noch einmal:

  1. Bis Ostern über gangbare Alternativen nach dem "Schweden-Prinzip" zu verhandeln und dazu die Wirtschaft - insbesondere auch die KMUs und EinzelnternehmerInnen - mit an den Szenarientisch zu holen, damit der Shutdown nach Ostern konkret eingeläutet werden kann.
  2. Ein nachhaltiges und enkeltaugliches Ausstiegsszenario als oberste Lösungsprämisse zu verfolgen, die alle Gesellschaftsschichten in Deutschland berücksichtigt - auch die Unternehmerinnen und Unternehmer.
  3. Die politischen Voraussetzungen für ein besonnenes Krisenmanagement zu schaffen, damit Wirtschaft und Gesellschaft in Zukunft nie wieder derart auf null heruntergefahren werden.
  4. Den Unternehmen in Deutschland ihre Handlungsfähigkeit zurückzugeben. Wie diese aussehen kann, muss gemeinschaftlich-kooperativ diskutiert werden.
  5. Ein Ausstiegszenario aus den Einschränkungen der Freiheits- und Persönlichkeitsrechten zu präsentieren, um sicherzustellen, dass nach der Krise die freiheitlich demokratischen Grundrechte wiederhergestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Melanie Vogel & Nadja Forster
Unternehmerinnen

Quellen

Es geht auch anders:

Und hier zeigen sich bereits heute gravierende Folgen, die nachhaltig katastrophale Wirkungen haben können: